Ein Verlag hat am Dienstag angerufen, sie wollen ein Kinder-Buch in dem ein ganzseitiges Bild von mir war, als Sammelband neu auflegen. Ob ich mit 40% des damals vereinbarten Honorars von 60,- Euro einverstanden wäre. Ich sag': "Moment bitte, soweit ich mich erinnere, waren die 60,- Euro schon für einen Nachdruck vereinbart". Ich schau nach; es war ein Nachdruck, ursprünliches Honorar 2002 waren 110,- Euro.
Also ein erneuter Kontakt per mail:
Wie ich bereits vermutet hatte, ist das damals ausgemachte Honorar in Höhe von 60,- Euro bereits der Satz für Wiederholungen. Eine weitere Rabattierung ist leider nicht möglich. Der ursprüngliche Honorarsatz bei der Erstverwendung waren 110,- Euro. Nach der neuesten MFM Tabelle würde ein 1/1 Seite Bild bei Auflage bis 5.000 Stück (Die Auflage hatten Sie noch gar nicht genannt), 140,- Euro betragen. Da liegen sie mit den 60,- Euro bereits bei den ursprünglich vorgeschlagenen 40 %, oder? Denn 50% von 140,- wären für 2006 eigentlich 70 Euro. Also lassen wir es einfach bei den 60,- Euro, vorausgesetzt die Auflage ist nicht höher als 5.000 Stück.
Heute ein erneuter Anruf, ja ich hätte Recht, das war natürlich der falsche Honoarsatz, die Kollegin hätte das ursprüngliche Honorar nicht gewusst. Die Dame schickt mir kurz darauf ein Bestätigungsschreiben zum zurückfaxen, dass ich mit 60 Euro einverstanden wäre. (Kein Wort über die Auflage)
Ich schreib also auf das Fax drauf:
OK, aber nur bei Auflage bis 5.000 Stück wie bisher!
Wieder ein Anruf - wie gut, dass ich die Auflage noch erwähnt hätte, es wären diesmal dann doch statt 5.000 Stück 25.000 Stück, ob das denn einen Unterschied machen würde?
Ich sage natürlich und schaue wieder brav in der MFM Liste nach: bei 1/1 Seite Unterschied 30,- Euro bei 50% also 15,- Euro.
Wir einigen uns auf 75,- Euro.
Nach einem OK beim ersten Anruf wären es 24,- Euro Honorar gewesen!
Das ist doch beruhigend, dass es Euch Profi-Fotografen auch nicht anders geht, als uns fotografierenden Holz-Handwerkern. Wenigstens brauchte die Dame das Foto, sie konnte trotz Deiner zähen Verhandlungen kaum Abspringen.
Wenn wir mit einem reichen Menschen (nebenbei erwähnter "Stundenlohn" über 150 Euro)knapp 180 Minuten einen zum woanders gekauften Sofa passenden Couchtisch aus dem Massivholz der Hersbrucker Alb entwerfen, der anschließend in Einzelanfertigung hergestellt werden müsste, uns dann sagen lassen müssen, dass ein Couchtisch nicht mehr kosten darf, als der Mensch allein in der Beratungszeit verdient hätte, dann wären das gute Gründe für einen Berufswechsel. Wenn man dann aber Deinen Bericht liest, ist´s wohl besser weiter Möbel zu bauen und auf die richtigen Kunden zu achten.
Kommentiert von: herwig Danzer | 02. Juni 06 um 22:52 Uhr
Da ich gerade wieder eine Anfrage hatte: Zum wiederholten Mal möchten österreichische Verlage Fotos von mir haben, die sie auf meiner Homepage gesehen haben. Jedes Mal ganz dringend, und die Fotos sollen recht formatfüllend ("Bitte in hoher Auflösung!") gedruckt werden. Wenn ich dann darauf aufmerksam mache, dass für die Veröffentlichung ein Honorar fällig wird, ebbt das Interesse ganz schnell wieder ab. Man kann es ja mal versuchen...
Kommentiert von: Claudia | 22. Juni 06 um 11:37 Uhr
Kurz zu meiner Person, da sicherlich nicht jeder weiß, wer Susanne Baumgarten ist :-):
Ich bin Geschäftsführerin von vario-images. Hin und wieder komm ich sogar dazu als Bildjournalistin tätig zu sein. Zusätzlich bin ich seit 3 Jahren Koordinatorin der MFM Kommssion Editorial und ermittle somit jedes Jahr die MFM Honorare mit... deswegen auch meine Antwort auf Thomas Eintrag.
Interessiert habe ich Deinen Blog gelesen Thomas. Wir haben auch täglich mit solchen Fällen zu tun. Immer wieder versuchen uns Kunden hinters Licht zu führen und wir müssen umso aufmerksamer nachfragen.
Etwas anderes hat mich dann stutzig gemacht... Wieso 50% Rabatt bei einem Wiederholungsabdruck in einer neuen Auflage??? Die MFM sieht lediglich einen 50% Rabatt vor bei einer Wiederholung in derselben Auflage (siehe MFM Seite 9, Nachlässe ... es sich um ein unverändertes Objekt im selben Medium handelt).
Kunden sind oft der Meinung, dass 50% Wiederholungsrabatt auch für neue oder andere Medien gilt. Das ist falsch. Bei Büchern sieht die MFM lediglich für unveränderte Neuauflagen einen Rabatt von 20% vor (siehe MFM 2006 Seite 22, Nachlässe, 2. Position), dies ist aber auch nur im Buchbereich üblich und nur bei unveränderten Auflagen. Bei anderen Medien ist es höchstens Goodwill wenn man's gewährt.
Kommentiert von: Susanne Baumgarten | 05. Juli 06 um 23:08 Uhr