Das ist die Horrorvorstellung eines jeden Fotografen. Du hast dein Archiv im Keller und das Hochwasser kommt. So geschehen vor einem Jahr im Keller meines ehemaligen Zeichenlehrers Walter Plank. Walter Plank hat mich Ende der siebziger Jahre in die Schul-Dunkelkammer gelotst und den Thomas Geiger so überhaupt erst zur Fotografie gebracht. Das alleine wäre schon Wert, ihn hier einmal lobend zu erwähnen. Aber was er vor einiger Zeit bei uns im Kunstfenster der Hersbrucker Sparkasse hängen hatte, stellt das komplett ausser Frage.
In der Nacht vom 29. auf den 30.6.2005 brach über meiner (und seiner) Heimatstadt ein lokal begrenztes Unwetter herein. Etwa 300 Keller liefen voll. Darunter meiner, in dem aber das meiste noch gerettet werden konnte, da das Wasser nur wenige Zentimer stieg, und der von Walter Plank. Dort stand das Wasser etwa 30 Zentimeter hoch und in Wasser und Dreck stand auch sein Diaschrank.
Nachdem der Kunstlehrer die Dias nach einiger Zeit in der Garage trocken legte, entdeckte er, dass das Wasser durchaus kreatives verursachte. Es entstanden nämlich völlig neue Muster und Strukturen, die die alten Dias wie neue Gemälde wirken ließen. Und das alles komplett ohne Computer oder Pinsel.
"Das war das erste Mal, dass ich Gemälde hatte, ohne überhaupt einen Pinsel in die Hand zu nehmen! Ich brauchte also keine eigene künstlerische Leistung vollbringen. Die Natur hat die schöpferische Kraft entwickelt."
Die "kreative" Leistung des Walter Plank war in diesem Fall das Erkennen der neu entstandenen Kunst und das Bewahren der selben.
"Eigentlich wollte ich den ganzen Haufen in den Müll schmeißen, nur weil ich nach einiger Zeit dann doch nachschauen wollte, ob man wenigstens die Rähmchen noch brauchen kann, habe ich die interessanten Veränderungen gesehen."
Ob das nun die Türme der Nürnberger Lorenzkirche (links 2. von oben) sind, oder der Kulturspeicher in Würzburg (rechts oben),
genauso wie die Fensterfront des ehemaligen Grenzbahnhofes Friedrichstrasse in Berlin (rechts), so hat das noch keiner gesehen.
Die Aufnahme entstand übrigens bei einer gemeinsamen Klassenfahrt nach Berlin im Schuljahr 1978/79. Damals unter abenteuerlichen Umständen.
"Ich hätte ja sogar ins Gefängnis kommen können, es war schliesslich streng verboten, Grenzanlagen oder Verkehrsbauwerke der DDR zu fotografieren. Die Aufnahme entstand aus einer Laune heraus, aus der Hüfte geschossen."
In der Mitte der weißen Fensterfläche erkennt man noch den DDR-Grenzer. Wenn dieser die Aufnahme bemerkt hätte, wären wir ohne Lehrer wieder nach Hause gefahren.
Beeindruckend auch das Repro eines Gemäldes von George de la Tour von 1623 (ganz oben), das ein essendes Bauernpaar zeigt. Oder das Grabmal der Kirche in Heilsbronn (links 3. von oben).
Meist sind es kunstgeschichtliche Bilder, die ein Kunstlehrer eben so für den Unterricht braucht, die vom Wasser "zerstört" wurden, das ließ den inzwischen pensionierten Plank den "Verlust" auch verschmerzen.
Bei einigen Bildern ist nichts mehr zu erkennen, was ursprünglich fotografiert worden war (die drei folgenden). Bei diesen sind nur noch die neu entstandenen surrealen Effekte zu sehen.
"Das kuriose ist, dass sich die Bilder völlig unterschiedlich verändert haben, Farben haben sich überlagert oder sind neu entstanden. Interessant wäre es, ob man das auch gezielt nachvollziehen könnte, oder was entstehen würde, wenn man nun mit dem Pinsel noch weitermacht."
Vielen Dank Herr Plank, für die Bilder und Infos. Ich warte schon gespannt darauf, was noch alles zu Tage kommt.
Danken möchte ich noch jemanden auf diesem Wege: Kai Schmidt von der Hersbrucker Firma "Foto Steinbauer" hat mir dankenswerterweise seine Scanns zur Verfügung gestellt, die er für die inzwischen leider schon wieder abgebaute Ausstellung gemacht hatte.
Die Bilder kann man per Klick auf die kleine Darstellung vergrößern, so wie übrigens alle hier im Blog.

War ´ne tolle Ausstellung, aber ein noch besserer Lehrer. Sein ganzes Schulleben am Hersbrucker Gymnasium war er Vertrauenslehrer und wichtigster Mann für uns Schülersprecher und andere Schüler mit Problemen. Habe sogar eines von seinen absichtlich gemalten Ölbildern in meiner Küche. Sein wichtigstes Zitat auf die Frage, wie man sich so viele Jahre pausenlos für Kinder und Jugendliche einsetzen kann?
"Ich mag sie halt einfach."
Kommentiert von: herwig Danzer | 24. Juli 06 um 18:01 Uhr
Echt tolle Effekte, war bestimmt eine sehr interessante Ausstellung. Vielleicht sollte ich mal ein paar alte Dias in die Badewanne werfen.... hab da noch Ausschussware die von einem Scanservice freundlicherweise mit Kratzern verziert wurde.....
Was ich aber auch interessant finde: Ich bin auch ueber das Schulische Fotolabor zur Fotografie gekommen. Allerdings erst ein paar Jahre spaeter. Danach begann die Aufruestung. Meine erste Kamera, eine Minolta X300 welche ich stolz verteidigte. Selbst wenn ich in den Matsch fiel, die Hand mit der Kamera war immer oben! Eine gebrauchte Minolta XD7 sollte dann auch noch folgen, tolles Geraet war das. Hab mich im nach hinein schon geaergert das ich meine Dunkelkammer Ausruestung verkauft habe. Vielleicht leg ich mir sogar wieder eine zu und mach wieder s/w ,nur zum spass als psychischen Ausgleich zum Digitalen Alltag :)
Kommentiert von: Michael Anhaeuser | 25. Juli 06 um 10:48 Uhr