Ich bin eigentlich nicht die Zielgruppe, denn erstens bin ich kein MACianer und zweitens zu nahezu 100 % jpg-Fotograf. Doch wenn ich das so lese, was Roberto Casavecchia in der letzten digit! (3-2006 Mai/Juni) schreibt, sollte ich wohl öfter RAW fotografieren. Casavecchia hat in der Fachzeitschrift vier gängige RAW-Konverter von Drittanbietern getestet, die mehr oder weniger die gesamte Palette der RAW-Formate der Kamerahersteller abdecken. Meist sogar viele der nicht mehr im Handel befindlichen Modelle. Sicherlich gibt es zu jeder Kamera den passenden Konverter des Kameraherstellers, doch manchmal gerät man damit eben an die Grenzen, oder man benutzt Kameras mehrerer Hersteller. Getestet wurden vier Programme, die sich in Funktion und Preis unterscheiden, die aber alle für den MAC zu haben sind, dem unter Kreativen immer noch am weitesten verbreiteten Computersystem. Ich werde im Photopolblog die vier Programme in einzelnen Beiträgen vorstellen, da der gesamte Test unseren Rahmen sprengen würde. Beginnen werde ich mit dem auch von vielen Freelens-Fotografen meistgenannten Programm Capture One von Phase One, einem Hersteller von Digitalrückteilen für Mittel- und Grossformatkameras.
Vielen Dank an den Spezialisten aus Italien und an den Chefredakteur der Zeitschrift digit!, Roland Franken, dass ich den RAW-Converter Test hier im Blog in Auszügen bringen darf. digit! erscheint im Verlag Klie Verlagsgesellschaft mbH, Hann.Münden und kostet am Kiosk 5,- Euro. Roberto Casavecchia schreibt für diverse Fachmagazine in verschiedenen Ländern, ist aber eigentlich Fotograf und Grafik-Designer.
Bevor es losgeht, lasse ich Roberto Casavecchia noch erklären, was überhaupt RAW bedeutet, das gegenüber jpg doch deutliche Vorteile hat, auáer, dass jpg-Daten weniger Speicherplatz brauchen und von wohl jedem Bildprogramm problemlos geöffnet werden können.
Rohdaten: Qualität und Flexibilität
Das RAW-Format ist ein verlustfrei komprimiertes Dateiformat im 16-Bit-Modus, das Bilddaten so einliest wie es der Sensor der Kamera eingefangen hat, ohne dabei Bildeinstellungsparameter wie Weißabgleich, Schärfe, Kontrast, Sättigung etc. anzuwenden. Natürlich können diese Einstellungen bei der Aufnahme vorgegeben werden. Sie werden als separate Tags in der Bilddatei mit abgespeichert und können nachträglich nach Belieben modifiziert werden.
RAW-Bilder weisen denn auch keine Komprimierungs- oder Schärfungs-Artefakte auf und haben dank 16-bit Tiefe ein viel größeres Spektrum an Bildinformationen, welche für die spätere Weiterverarbeitung Bilder mit einem größeren Detailreichtum und weichen Tonwertübergängen erlauben.
doch nun zum ersten Programm, Capture One, das es aber auch in Windowsversionen gibt:
Capture One
Die Software Capture One vom dänischen Digitalback-Hersteller Phase One wirkt auf den ersten Blick eher sparsam ausgestattet, ist aber äußerst benutzerfreundlich, übersichtlich und klar strukturiert. Obwohl auch Capture One einen sehr praktischen Bildbrowser und auch Funktionen für das Archivieren und Sortieren der Bilder bietet, werden diese Tools erst auf den zweiten Blick wahrgenommen. Kern der Software ist die reine und saubere Konvertierung von RAW-Daten in 16-Bit TIFF-Bilder. Eine der großen Stärken von Capture One sind die eigens angepassten ICC-Kameraprofile, die zusätzlich durch selbst erstellte Profile ergänzt werden können und somit die Konvertierqualität auf ein absolutes Maximum steigern können.Sieben Werkzeugboxen
Capture One verfügt über sieben Toolboxes für eine optimale RAW-Konvertierung: Das „Organize Tool“ ist das eigentliche Verwaltungs-Werkzeug und erlaubt eine einfache aber zweckmäßige Archivierung von RAW- und konvertierten TIFF-Files. Die Bilder werden beim Downloaden in einen entsprechenden „Aufnahmeordner“ abgelegt und wandern nach der Konvertierung in einen „Prozessordner“. Mit dem „Capture Tool“ können verschiedene Einstellungen, die entweder als Standard, vom vorhergehenden Bild oder von definierten Presets stammen, auf das jeweilige Bild angewendet werden. Dies ist besonders praktisch bei veränderten Einstellungen, die auf mehrere Bilder angewendet werden müssen, wie eine Bildserie mit demselben Farbstich oder eine angepasste Filmkurve zur Kontraststeuerung. Farbkorrekturen können mit dem „White Balance Tool“ gemanagt werden. Für die meisten digitalen SLR-Kameras gibt es mehrere ICC-Profile z. B. für Tages-, Kunst- oder Mischlicht. Ein praktisches, kleines Preview-Fenster erlaubt die Veränderungen in Echtzeit zu beurteilen. Die Kontrolle über die Belichtung ermöglicht das „Exposure Tool“. Vordefinierte Filmkurven „Standard“ (wie Aufnahme), extra shadow, high contrast und linear response“ ermöglichen eine differenzierte Wiedergabe bei verschiedenen Belichtungssituationen. Eine Belichtungskorrektur in EV-Werten sowie eine Kontrast- und Sättingungs-Korrektur stehen ebenfalls zur Verfügung. Das „Focus Tool“ erlaubt das Scharfzeichnen, wie man es mit dem USM-Filter in Photoshop gewohnt sind. Zusätzliche Schieberegler dienen der Rausch- bzw. Streifenunterdrückung und das digitale Farbrauschen kann bei Bedarf auch noch zusätzlich unterdrückt werden. Mit dem „Process Tool“ können Dateiformat, Farbraum, Qualität der Konvertierung, Ausgabeauflösung, Größe und Dateinamen festgelegt werden. Eine Stapelverarbeitung ist schließlich mit dem „Batch Tool“ möglich.
Capture One gibt es in zwei Versionen, einer abgespeckten, aber mit demselben Konverter-Engine arbeitenden, LE-Version für 99,- Euro und einer PRO-Version mit vollem Funktionsumfang für 499,- Euro. Beide Versionen sind sowohl für MAC als auch für Windows erhältlich. Alle weiteren Infos und Downloads, auch einer Tryout-Version, unter: http://www.phaseone.com
Roberto Casavecchias Fazit:
"Ich kenne keine Software, die so sauber mit RAW-Daten umgeht!"
Capture One hat ihn überzeugt, die Bilder haben vor allem in den Schattenpartien eine hervorragende Durchzeichnung und weiche Tonwertübergänge. Nachteilig sind fehlende Retuschewerkzeuge und eine langsame Verarbeitungsgeschwindigkkeit.
Als weitere getestete Software werden in Kürze hier noch folgende Programme vorgestellt:
Apperture von Apple, Lightroom von Adobe (neuerdings auch für windows erhältlich) und RAW Developer von iridientdigital.
Roberto Casavecchia
digit!
Phaseone deutsch über digit
Capture One

Ich habe vorher auch nur jpg`s fotografiert, weil mir mit RAW Konvertern der Arbeitsablauf zu umstaendlich und der Zeitaufwand zu gross war. Bis ich mir Photoshop cs2 zugelegt habe. Den Raw Konverter in CS2 fand ich auf den ersten Blick ziemlich erbaermlich. Sieht sehr minimalistisch aus, auf den zweiten Blick musste ich dann feststellen dass er nicht minimalistisch, sondern sehr gut aufgeraeumt ist. Ein maechtiges Werkzeug bei dem man immer den Ueberblick behaelt. Beim oeffnen einer Datei nimmt der RAW Konverter automatische Korrekturen vor. Diese passen auch fuer die meisten Motive. Ueber Schieberegler kann ich diese bei Bedarf noch etwas nachkorrigieren. Das erspart mir jede Menge Zeit und die Ergebnisse sind sehr gut. Sollten bei einem schwierigen Motiv die automatischen Korrekturen mal nicht passen, kann man sie per Mausklick zuruecksetzen. Ich kann auch mehrere RAW`s gleichzeitig bearbeiten, oder Einstellungen von einem Bild auf andere Bilder anwenden, z.bsp. wenn eine ganze Bildserie den gleichen Farbstich aufweist. Auch sonstige Einstellungen wie z.bsp. vorgefertigte Kurven , Korrektur von Objektiv Vignettierung... laesst sich alles machen. Ich finde diesen Konverter richtig RAWiniert. Was mir allerdings aufgefallen ist: Meine RAW Bilder rauschen etwas staerker als meine JPG`s. Dabei scheint es sich aber um ne NIKON Krankheit zu handeln. Wenn jemand nen Tipp hat wie man das Rauschen am besten unterbindet waere ich auch dankbar.
Kommentiert von: Michael Anhaeuser | 01. August 06 um 21:58 Uhr