Ein Mitarbeiter der Agentur Reuters wurde entlassen (Reuters drops freelance Lebanese photographer over image), nachdem er ein Bild vom Libanon Konflikt durch grobe Bildmanipulation verändert hat. Meiner Ansicht nach zurecht.
Doch wo fängt die Veränderung bei einem Bild an. Wenn Rauch durch die Stempelfunktion des PS hinzugefügt wird, auf jeden Fall. Doch wie steht es um vorübergehende Pickel im Gesicht von Claudia Schiffer. Darf ich die einfach wegstempeln? Dadurch ist mein Bild für das Archiv besser tauglich. Oder darf ich den Rauch im Libanon durch Markierungen und Kontrasteinstellungen (früher gab es im SW Bereich den Rotfilter für das Objektiv) verstärken?


Bildmanipulation gab es schon immer und findet sich täglich in allen Zeitungen und Zeitschriften wieder. Jeder von uns verändert Bilder auf verschiedenen Ebenen um eine gewisse Bildaussage zu treffen.
Folgende Ebenen sind zu erkennen:
1. Technisch bei der Aufnahme: Ich kann Bildaussagen durch gezielte Brennweiten (Raumverdichtung mit Tele, Öffnung durch Weitwinkel) verändern. Ich selbst habe schon Demonstartionen fotografiert, bei denen eigentlich nicht viel los war. Durch den Einsatz von starken Teleobjektiven habe ich jedoch durch die Raumverdichtung den Eindruck einer Massenveranstaltung geschafft.
Das Gegenteil bei einer Großveranstaltung die friedlich verlaufen ist. Hier habe ich den einzigen Radalierer fotografiert, wie er von Sicherheitskräften (sehen immer sehr martialisch aus) abgeführt wurde. Am folgenden Tag war überall nur dieses Foto zur Demo zu sehen. Inhaltlich überhaupt nicht zum Verlauf der Demo passend.
2. Gestalterisch: Indem ich einen winzigen Bruchteil einer Sekunde mit der Kamera festhalte, kann ich die Wirklichkeit verzerrt wiedergeben. Kleines Beispiel: Bei einem Parteitag kann das Augenzwinkern schnell als Einschlafen (geschlossene Augen) interpretiert werden.
3. Technisch nach der Aufnahme: Meine Archivbilder von der Cheops Pyramide lassen sich einfach viel besser ohne die Hochspannungsleitungen verkaufen. Das Bayreuther Festspielhaus wirkt durch den dramatischen Himmel mit großem Mond (Doppelbelichtung) viel besser und ist vielfach gedruckt worden.
Jetzt muss ich nur mal die imzwischen 8 Jahre alte Aufnahme durch ein frisches Aufnahmedatum ersetzten. - Damit ist es länger als Archivbild haltbar. Oder sollte ich lieber gleich, wie es die meisten Reisefotografen lehren, auf das Datum verzichten.
Die Halbwertszeit von Archivbildern sinkt ständig. Redaktionen wollen immer frisches Material zu immer günstigeren Preisen. Ich würde gerne alle zwei Jahre nach Ägypten reisen.
4. Pressefotos von Firmen etc: Zusehends werden von Zeitungen und Magazinen die kostenlosen Frendenverkehrsamts/Firmen CD´s verwendet. Dass darauf eigentlich nur manipulierte Bilder sind, stört die wenig. Da druckt ein grosses Magazin die angeblich neue umweltfreundliche Spritzanlage - dabei funktioniert die Anlage überhaupt nicht und es war alles nur für den Firmenfotografen gestellt.
Hier wäre ein Bewußtseinswandel der Redaktionen gefragt. Wo bleibt der Rest an Glaubwürdigkeit im Journalismus, wenn nur noch Firmen- und PR-Fotos verwendet werden.
Die ganze Sache mit der Manipulation am Bild hat seine zwei Seiten. Durch die dramtisch abgenomme Anzahl an Magazin-Aufträgen der letzten Jahre, werden wir Fotojournalisten zusehends in die PR Schiene rutschen. Hier können noch Umsätze erzielt werden. Doch die Grenze zwischen Schein und Sein wird immer geringer. Was früher der einkopierte Fußball war, ist heute der einkopierte Rauch. Beides darf nicht sein - auch wenn es sch besser verkauft.
Frank Boxler
ERGÄNZUNG:
Aufgedeckt wurde das ganze von einem Weblog namens little green footballs - Dort gibt es die Bilder und die Diskussion! Über 800 Kommentare!! Neid!
Ausserdem findet man inzwischen viele Nachrichten zu dem Thema bei Yahoo und die Tagespresse berichtet auch darüber - Gott sei Dank.
Was denken denn unsere Agenturfotografen bei dem Thema?
Thomas Geiger
Auch andere deutsche Blogs schreiben noch darueber:
http://www.theglade.com/toleblog/?p=178
Dort fand ich den Link zu EUREFERENDUM und dessen Story genannt "Qana - the director's cut"
http://eureferendum.blogspot.com/2006/08/qana-directors-cut.html
Oder:
http://www.florianklenk.com/2006/08/gestempelter_rauch_1.php
oder:
http://lizaswelt.blogspot.com/2006/08/kujau-fr-arme.html
oder auch der PR-Blogger:
http://klauseck.typepad.com/prblogger/2006/08/blogger_betrach.html
Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden!
Kommentiert von: Thomas Geiger | 09. August 06 um 12:38 Uhr