Im Dezember 2004 war Karsten Kramer, Fotograf und FreeLens-Mitglied in Thailand, als der Tsunami über die Küsten hereinbrach. Er lies damals alle FreeLenser an seinem Schock und Erleben teihaben. Seine Schilderungen hatten uns damals alle betroffen gemacht, am 28.12. schrieb er z.B.:
...Uebrigens faehrt morgen nochmals so ein Schiff und ich werde wohl mitfahren und natuerlich dabei fotografieren. Wobei ich allerdings kein Katatrophenknipser bin und mir die Sache durchaus mulmig ist. Das erste, was von dem Schiff heruntergetragen wurde, war uebrigens eine wohl aeltere Leiche und ich erwarte das erste Mal in meinem Leben Leichengeruch. Ich muss schon sagen, das alles ist eine sehr beeindruckende Sache hier und fuer mich eine Grenzerfahrung, einfach wegfahren wie die meisten Urlauber mag ich nicht...
Ein paar Tage später, am 4.1.05 hat er sich schon ganz anders angehört:
...So war ich dann nach meinem letzten Erlebnis im Tempel mit den Leichenfeldern wirklich erschoepft, sowohl koerperlich als vor allem auch seelisch und die Bilder vor allem der schrecklich entstellten Leichen gehen mir nicht aus dem Kopf. Nach ein paar Bier wird es zwar ein bischen besser, aber ich kann nicht schlafen, wache immer wieder auf, waelze mich herum und an Tiefschlaf ist nicht zu denken...
Nun kam vor einiger Zeit die Sache wieder ans Licht, als Karsten über die FreeLens-Mailingliste mitteilte, dass es eine Diplomarbeit gibt, die die Psychischen Probleme zum Thema hat, die bei Einsätzen in Krisengebieten auftreten können. Marcus Schmigelski von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin schreibt über:
Posttraumatische Belastungsstörungen bei Journalisten in Krisengebieten und ihre Relevanz für die Soziale Arbeit
Damit möchte er seinen Diplom-Sozial-Pädagogen machen. Er hatte sich viel vorgenommen und wenn man so liest, wie lange er gebraucht hat, bis er die richtigen Interviewpartner gefunden hatte, hat er sich sein Diplom schon allein dafür verdient. Dankenswerterweise hat Marcus Schmigelski seine Arbeit als pdf zur Verfügung gestellt, damit sich auch andere mit der Materie auseinandersetzen können.
Es lohnt sich zu lesen, auch wenn es mehr als hundert Seiten sind, aber es ist wirklich eine Diplomarbeit, keine Geschichte über Kriegsjournalisten. Er geht sehr intensiv auf die Krankheit ein und erklärt sehr verständlich um was es geht. Interessant auch die Interviews, die er geführt hat. Auch wenn es hier wirklich um Kriegsberichterstatter geht, so hat mich doch betroffen gemacht, dass es trotzdem jeden von uns Bildjournalisten treffen kann. Es reicht eine Katastrophenschutzübung unter Stress zu erleben, um die Symptome zu bekommen. Es sollte sich jeder darauf vorbereiten, was auf einen zukommen kann. Es muss ja nicht gleich der Leichengeruch nach einem Tsunami sein, so wie es bei Karsten der Fall war.
Vielen Dank an Karsten, der die Erlaubnis gegeben hat, seine Bilder hier zu zeigen und vielen Dank an Ali Paczensky von Fotofinder, der sie mir zur Verfügung gestellt hat.
Vielen Dank an Marcus Schmigelski, der seine Diplomarbeit zur Verfügung gestellt hat.
Das ist die Diplomarbeit, als PDF herunterladen, ca 300 kb
Die Website von Fotofinder, wo weitere Bilder nicht nur zu diesem Thema von Karsten zu finden sind

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