Wie in jedem Jahr, so traf sich heute die Nürnberger "Fotoszene" zur jährlichen Weihnachtsausstellung, diesmal mit dem Thema "Nachspiel". Nachdem man sich jahrelang im Museum Industriekultur gegenseitig auf die Füße gestiegen ist, wechseln neuerdings die Ausstellungsorte. Im letzten Jahr war man in der ehemaligen Triumph Adler Fabrik, heuer ein genialer Ort: Eine alte Fabrikhalle auf dem MAN-Gelände. Platz und Stimmung. Aber leider sehr begrenzte Öffnungszeiten - nach diesem Wochenende noch möglich:
24.11.06 18-21 Uhr
25.11.06 15-20 Uhr
26.11.06 11-18 Uhr
am Sonntag 26.11. findet von 16-18 Uhr ein Werkstattgespräch mit allen Fotografen statt. Gut gewählt, denn danach müssen alle wieder abbauen.
Wie jedes Jahr, ist ein breites Spektrum von Arbeiten zu sehen. Einiges sehr ansprechend, anderes eher naja (natürlich sehr subjektiv!). Bereits in der Vorhalle hängen (rechts) Camera Obscura Arbeiten von Günter Derleth, große Negative, direkt in der Riesenkamera auf Fotopapier belichtet, immer wieder beeindruckend, aber nun schon öfter gesehen. Derleth hat sich auf diese Arbeiten fixiert.
In der Mitte das Hauptraumes hängt das Thema des Jahres, die Fahnenkorsi und -schwenker von Gerd Dollhopf (links), sehr journalistisch fotografiert, groß ausgeprintet, aber damit noch nicht zur Kunst geworden. Dollhopf hat mehr drauf.
Meines Erachtens wesentlich besser umgesetzt hat das Thema Bernd Telle: er fotografierte Szenen der WM mit Playmobilfiguren nach. Technisch hochklassig, und das auch in der Auswahl der Szenen, so wie hier rechts der Kopfstoß von Zidane.
Sehr gut zum Ort der Aussellung passend, die großflächigen Rasterbilder von René Carstanjen (links), stark in Ausschnitt und Material - hier das Motiv "hair" (am Haupt-Kranschalter).
Gut umgesetzt und gut präsentiert hat Rudi Ott das Thema "Nachspiel" mit seinen farbigen Schwangeren (rechts). Auch hier großzügig der Raum genutzt und einen echten "Hingucker" geschaffen, der eine mag es, der andere nicht. Mir hat es gefallen.
Bisher jedes Jahr mit neuen Sichtweisen überrascht Petra Simon, die ihre Bilder auf einer eigens hergestellten Wand präsentiert. Mit Orginaltönen per CD und sich hier beidem widmend. Dem Vor-, aber auch dem Nachspiel. Hier stimmt alles, das Thema, die Bilder, die Umsetzung, und sogar der Text, was man bei den meisten nicht sagen kann.

Überrascht hat micht noch Thomas Sternberg, den ich bisher nicht kannte. Er hat sich (auch sehr journalistisch) "Erscheinungen im öffentlichen Raum" (rechts, hier zwei Bilder) gewidmet, Bilder von Plakaten und Werbungen an Gebäuden und in deren Umfeld. Auch hier handwerklich sehr sauber, gut gesehen, und regt immer wieder zum schmunzeln an. Man sieht genauer hin. (Leider Spiegelungen durch das Repro in der Ausstellung!)
Auch mit dem Thema Fußball-WM hat sich Holger Stegmann befasst. Sein "Schiebebild", das leider nicht zum Schieben ist, mit den Nationalspielern ist auch endlich mal was anderes. Hier links leider nur ein kleiner Ausschnitt.
Als letzten möchte ich noch meinen lieben Kollegen Herbert Liedel erwähnen. Urgestein der Nürnberger "Fotoszene", in der eigentlichen Profession Sportfotograf mit vielen Büchern, da aber meist Landschaften und dann macht er sowas: Beinahe schwarze Riesenbilder, Szenen aus dem KZ Auschwitz (rechts), scheinbar solarisiert, wie Annodunnemals im Labor, bedrückend, aber schwer zu reproduzieren. Gehängt mit einem Zitat von Richard von Weizsäcker: "Wer vor der Unmenschlichkeit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren." Hut ab!
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