Von Stefan Puchner
Fußball, 2.Bundesliga, Rosenaustadion Augsburg am Freitag
09.02.2007 kurz vor Anpfiff: gemäß den strengen DFL-Richtlinien bezog ich Platz
an der Torauslinie neben der Eckfahne. Da erscheint ein Ordner und weist mich
darauf hin, dass ich dem Fernsehen im Bild sei und mich von daher keinesfalls
häuslich einrichten solle.
Blick nach hinten- keine Werbebande, die ich verdecken könnte, sondern nur die
vom Frost aufgebrochene Tartanbahn mit den Betontrümmern des Stadions. Auch
eine Wiederholung der optischen Gesetze sagte mir: da ich mich eindeutig hinter
dem Gekicke befinde, könnte ich
keinesfalls einer Fernsehkamera, die an der Mittellinie positioniert ist, den
Blick auf das Spielgeschehen verdecken.
Ein Blick in den inneren Spiegel versicherte mir, dass ich eine saubere Hose
anhatte und sogar rasiert war- somit gab ich keinen Anblick ab, der
irgendwelche Grenzen des guten Geschmacks mehr überschritten hätte als das
übliche Fernsehprogramm.
Da man ja langsam schon mit dem Unmöglichsten rechnet, kontrollierte ich meine
Ausrüstung und da sogar mein Transportbehältnis zufällig vom Hauptsponsor des
FC Augsburg stammt (ehrlich selbst zu Zeiten gekauft, als sich der FCA weit weg
von irgendwelchen überregionalen Sponsoren und einem Medienhype befand), sah
ich mich also bestens mit Argumenten gewappnet, die nicht nur den gesunden
Menschenverstand, sondern sogar Ordner
und Fernsehschaffende überzeugen sollten.
Der Pressebeauftragte des FC Augsburg, bei dem ich mich beschwerte, kam nur
lakonisch mit dem Argument „Das Fernsehen ist Rechteinhaber und bestimmt was
passiert“ (werden mit den Übertragungsrechten auch Hausrecht und die
Rechthaberei als solche veräußert?). Also begab ich mich zur allerhöchsten
Instanz auf Erden- dem Aufnahmeleiter!
Der hörte sich meine Argumente nicht einmal an, sondern belehrte mich kleinen
Provinzfotografen mit dem Habitus eines Hollywood-gestählten Starregisseurs,
dass es Anweisungen der DFL für die
Arbeitszonen der Fotografen gäbe: nämlich an der Torauslinie hinter der
Werbebande. Klarer Fall- da befand ich mich. Doch bevor ich zum Triumphgeschrei
ansetzen konnte, versetzte mir der Herr des Zappelbildes den Todesstoß: da die
Vermarkter irgendwie schluderten, konnte die Werbefläche zwischen der Eckfahne
und der Strafraumgrenze nicht vermarktet werden und deswegen gibt es dort keine
Werbebande, hinter der ich mich hätte
verkriechen können- ergo darf kein Fotograf sich auch nicht hinter der
gedachten Verlängerung der Werbebande aufhalten.
Was bleibt also übrig? Sich den gnadenhalber zugewiesenen Platz auf der
Längsbahn sichern, bei dem einem dummerweise der Linienrichter auf Ballhöhe vor
der Kamera rumturnt? Oder sollten vielleicht die Fotografen zusammenlegen und
sich ein Stück Werbebande kaufen? Angesichts der Werbepreise und der
Honorarlage reicht es nicht für Werbung mit Text- ein alter Tapeziertisch
dürfte genügen...sachdienliche Spenden bitte an den FC Augsburg.
Ich war auch vor Ort und im Rahmen meines mir betrauten "Amtes" als Fotografensprecher des VDS in Augsburg knöpfte ich mir den besagten Aufnahmeleiter gleich vor. Nach einem erhitztem verbalen Schlagabtausch (1 Minute vor Spielbeginn) habe ich von ihm erfahren dass beim letzten Spiel in Augsburg wohl ein paar Personen mit grauen Leibchen (Normalerweise akkreditierte Profifotografen) viel zu nah an der Eckfahne gesessen haben, was in dem Stadion mit viel Platz nicht sein müsste. Da wurde mir schlagartig bewusst wie schlecht es für unseren Berufsstand ist, wenn, wie in Augsburg von 15 anwesenden, akkreditierten Fotografen nur ca 3 Profis sind. Die meisten anderen Knipser kümmern sich einen Dreck um DFL-Regeln, Rücksichtnahme gegenüber Kollegen und TV-Kameras. Die stellen und setzen sich hin wo es ihnen grade passt. Macht ja nix wenn es Stunk gibt, wir müssen ja nicht davon Leben. Das ist meineserachtens in Augsburg der Problempunkt: Fast nur Amateure und Hobbyknipser sind im Stadion, da ist es verständlich wenn die Fernsehleute uns hassen!!! Ich glaub ich geb auf da was ändern zu wollen.
Kommentiert von: Bernd Feil | 12. Februar 07 um 00:07 Uhr
Da muss ich dem Aufnahmeleiter doch noch mal widersprechen. Wenn er sich seine Aufnahme von vor zwei Wochen bei besagtem Spiel anschaut, fällt ihm vielleicht auf, dass das Stadion notdürftig geräumt wurde und rund um das Spielfeld riesige Schneehaufen lagen, so dass uns gar nix anderes übrig blieb, als nah an der Eckfahne zu sitzen. Dass dann die Steadycam dauernd vor der Nase rumhüpft, nimmt man ja schon stillgrummelnd hin.
Wieso beschwert sich der Fernsehmensch dann auch erst zehn Tage später und mit dem eingangs beschriebenen an den nicht mehr vorhandenen Haaren herbeigezogenen Argument, statt die angeblich störenden Fotografen sofort auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen?
Kommentiert von: Stefan Puchner | 12. Februar 07 um 09:12 Uhr
Das weiss wohl nur er selber. Er hat, wie mir scheint, nicht viel für uns "Knipser" übrig. Aber die Ordner und Krapf hat er voll im Griff.
Kommentiert von: Bernd Feil | 12. Februar 07 um 22:25 Uhr
So ist das halt. Ich habe beim FC Augsburg schon fotografiert, da träumten diese noch von der zweiten Liga. Wir waren echt willkommen und wurden hofiert. Da wurde es einem schon fast schlecht, soviel Schleim lief da über den Platz.
Kaum waren sie in der 2.Liga angekommen und der Traum vom neuen Station ist in nahe Zukunft gerückt, da fühlt man sich im Rosenaustation als Fotograf wie eine lästige Schmeißfliege. Fehlt nur noch eine Fotografenpatsche (analog Fliegenpatsche). Geld verdirbt halt den Charakter. Dieses Sprichwort paßt mal wieder.
Kommentiert von: Thomas Hillebrand | 14. Februar 07 um 04:33 Uhr
Das thema kenne ich vom SC Paderborn zur Genüge. Vor der Saison bzw am ersten Heimspieltag gab es auch viel Theater. Als VDS Fotografensprecher kann ich nur an alle appelieren sich vom TV und den Vereinen nicht unterkriegen zu lassen und für die Rechte zu kämpfen. Manchmal muss es zwar erst rappeln bevor die vom TV einem zuhören, aber dann klappt es meistens. Man darf sich halt nicht einschüchtern lassen, und man muss dem Pressesperecher des Vereins halt klarmachen das er von unseren Bildern genausoviel profitiert wie vom TV, denn auf vielen Bildern sind im Hintergrund die Werbebanden mit drauf und der Trikotsponsor kommt zur Geltung.
Kommentiert von: Marc Köppelmann | 21. März 07 um 01:00 Uhr