Vor einiger Zeit hatte ich ja geschrieben, dass Getty und Corbis bei einigen Nutzern "geklauter" Bilder ihre Rechte einklagten und das natürlich mit entsprechenden Sätzen. Im Blog der Britischen Fotografenvereinigung EPUK hatte sich der Autor, nennen wir ihn "Ed", die Mühe gemacht, den "Schaden" aufzulisten der den "Klauern" durch die "hohen" Rechnungen der Rechteinhaber entstanden ist. Die "Bilderdiebe" jammerten in dem angesprochenen Artikel im "Guardian", dass die Rechnungen von Corbis und GEtty für die unberechtigrte Bildnutzung maßlos überhöht" wären. Da einer der Nutzer (Quest Cars, ein Liverpooler Mietwagenunternehmen) seine Preise im Internet veröffentlicht, hat Ed jetzt die Gegenrechnung gemacht.
Ein Fotograf nutzt ein Taxi von Quest, um von A nach B zu fahren, pro Minute kostet das 74,5 pence, die Fahrt dauert laut Routenplaner genau eine Stunde, der Fotograf zahlt also an Quest 44,70 Pfund. Mr. Cox, der Chef von Quest hat für die unlizensierte Nutzung eines Fotos auf seiner Website eine Rechnung von 1.300 Pfund für eine einjährige Nutzung erhalten. Hätte er das Foto korrekt erworben, hätte er gerade mal 440 Pfund für eine Fünf-Jahres-Nutzung bezahlen müssen. Nun vergleicht Ed die beiden Preise: 1.300 Pfund pro Jahr ergibt ungefähr 15 Pence pro Stunde, oder 0,25 Pence pro Minute. 440 Pfund für fünf Jahre sogar nur 1 Penny die Stunde, bzw. 0,017 Pence pro Minute.
Wenn nun also unser Fotograf, oder sogar der Getty Chef Jonathan Klein in Liverpool zu Mr. Cox ins Taxi steigt, kostet ihn die einstündige Fahrt 44,70 Pfund. Mr. Cox würde aber gerade einmal 0,01 Pfund pro Stunde zahlen müssen, um das Bild über fünf Jahre zu nutzen. Der Quest Besitzer müsste also nur zehn Stunden taxifahren, um das Bild für fünf Jahre zu lizensieren.
Ed stellt in seinem Blog also auch fest, dass die Entschädigung unverhältnismäßig hoch ist, nur "in etwas ander Form", als das die "Bilderdiebe" monierten. Was er auch zu bedenken gibt, ist die Steuerproblematik. Denn bei jedem genutzten, nicht lizensierten Bild entgeht dem Staat schliesslich auch die Umsatzsteuer.
Aber wie meint Ed: " Wir sind nicht herzlos bei EPUK." Die beiden interviewten "Nutzer" hätten ihre Websites ja schliesslich nicht selbst programmiert und haben somit auch nicht selbst gestohlen, sie bezahlten natürlich jemanden anderen für diese Arbeit und der Diebstahl war sicher unwissentlich. Ed bezeichnet sie als "Kollateralschaden im intellektuellen Rechte-Kireg des 21. Jahrhunderts" - ein netter Ausdruck - wer waren also die Täter? Webdesigner! Und? Sind Webdesigner nicht ständig im Netz unterwegs und wollen aber nicht wissen, dass es sowas wie Urheberrecht gibt? Und man nicht einfach jedes Bild verwenden kann, das man im Netz findet, noch dazu auf den Seiten der Weltmarktführer in Bilderbusiness.
Aber das Unrechtsbewusstsein ist nicht vorhanden. Der "Guardian" hat auf seiner Website zu dem Thema etwa 1000 Zuschriften bekommen, was denn Getty und Corbis für böse Kandidaten wären, dass sie den armen Menschen wie dem Taxi-Betreiber so viel Geld aus der Tasche ziehen. Gipfelnd natürlich in der Erkenntnis, dass Bill Gates hinter Corbis steht, und man ja dann schon weiss warum.
Soweit das Wichtigste aus dem Artikel, meines Erachtens. Lediglich noch eines möchte ich von Ed zitieren: "one of the most common kinds of posts on the EPUK forums invariably begins 'I`ve just found some pictures of mine on a website...': websites built and run by exactly the kind of people now caught in the Getty/Corbis legal crosshairs". Auch in unseren Deutschen Foren und Mailinglisten von Fotografen immer aktueller: 'Ich habe ein Bild von mir auf einer Website entdeckt, was soll ich tun?'
Mach's wie Corbis/Getty und stell' eine Rechnung!
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